Eindrücke vom Projektbesuch 2016

von Sabrina Steinmann

Im Mai dieses Jahres übernahm Sozialarbeiterin, Sister Jacy die operative Führung des Navodaya Social-Center. Ihre Vorgängerin, Sr. Jancy übergab ihr die bewährten Strukturen und gefestigten Angebote. Diese führt die neue Chefin mit demselben Enthusiasmus weiter. Sie kann auf ein elfköpfiges langbewährtes Team zählen. Einige der Sozialarbeiterinnen arbeiten seit nunmehr 10 Jahren in dem Arbeitsfeld der Frauenförderung. Zusätzlich bringt Sister Jacy Erfahrungen in der Unterstützung von HIV betroffenen Familien ein. Sie möchte im Social Center ebenfalls diese Begleitung anbieten.

Schwester Jacy, Herbst 2016

Zusätzlich bietet das Center verschiedene Ausbildungen und Kurse an:
- Ausbildung als Kindergärtnerin, inkl. Angebot von Fernstudium (Dauer 1 Jahr) momentan 25 Teilnehmerinnen
- Ausbildung als Schneiderin (Dauer 1 Jahr oder verkürzt ½ Jahr) momentan 30 Teilnehmerinnen
- Kinderhort für Kinder im Alter von 2 bis 3 Jahren welche anschliessend in lokale Schulen bzw. Kindergärten wechseln
momentan 25 Kinder
- Computerkurse und Computer Nachhilfe für Schülerinnen der umliegenden Schulen
- Awareness Kurse für Frauen aus den Selbsthilfegruppen (im Oktober fand Wochen-Kurs mit Rechtsanwalt als externer Dozent statt)

Witwe mit ihrer Nähmaschine, Herbst 2016

Nicht zuletzt sind es die Witwen aus der Umgebung welche von diesen vielfältigen Angeboten profitieren. Einige sind nun als permanente Teammitglieder angestellt (Hauptverantwortung für Kinderhort, Köchin für Kinder und Sozialarbeiterinnen, Führung des Sekretariats und der Buchhaltung, Computer Lehrerin).

Shoba, Herbst 2016

Als ich vor 3 Jahren das letzte Mal das Navodaya Social Projekt besuchte, war Shoba bereit mir ihre Geschichte und ihr Leiden als Witwe zu erzählen. Beim Wiedersehen dieses Mal, stand mir eine selbstbewusste Frau gegenüber, welche im Gegensatz zum letzten Mal, eine grosse Zuversicht ausstrahlte. Dazu hat sie auch allen Grund. Sie selber hatte als Hilfskraft im Kinderhort begonnen, diese finanzielle Absicherung ermöglichte ihr damals, dass ihre Tochter die Schule abschliessen konnte. Ihre Tochter besuchte anschliessend die projektinterne Ausbildung zur Kindergärtnerin. Nun ist sie in diesem Beruf tätig und ebenfalls wie ihre Mutter, finanziell unabhängig.

Sugandhini, Herbst 2016

Sugandhini ist die rechte Hand von Sr. Jacy. Sie übernimmt im Zentrum die gesamte Administration und gibt ihr Wissen in den Computerkursen an junge Schülerinnen weiter. Sie ist 30 Jahre alt. Sie hatte die Möglichkeit ihre Schulbildung abzuschliessen. Sie versteht ihre Bildung als Privileg. Sie spricht als einzige Englisch und ist stets bereit zu übersetzen. Ihr Mann ist vor 2 Jahren ums Leben gekommen, es ist nicht geklärt ob es sich um einen familiären Mord handelte. Fact ist das Sugandini mit zwei Kindern alleine ist. Ihre Schwiegereltern versagen ihr jegliche Unterstützung. Sie überliessen ihr ein kleines Zimmer ohne Strom und Wasseranschluss.

Seit Sugandhini im Projekt arbeitet, kann sie sich Gas leisten um selbständig kochen zu können. So kann sie dem täglichen Spiessrutenlauf mit der ehemaligen Schwiegermutter umgehen. Dennoch genügen ihre Ersparnisse noch nicht um sich eine eigene Bleibe zu finanzieren. Obwohl ihre eigenen Eltern zu ihr halten, kann sie nicht in deren Haus zurückkehren-die dörfliche Ausgrenzung wäre zu gross und würde die Existenz der Eltern gefährden. Ihr fünfjähriger Sohn lebt seitdem bei ihren Eltern und kann dort die Schule besuchen. Sie sieht ihn monatlich. Ihr dreijähriger Sohn lebt bei ihr im kleinen Verschlag und geht in den Kinderhort des Projektes.

Weitere Witwen präsentierten stolz ihr neu errungene Lebensqualität. Da wäre zum einen jene Frau, nennen wir sie Lakshmi, welche mit tatkräftiger Unterstützung vom Projekt, ihrer Frauengruppe und der finanziellen Hilfe eines Dorfältesten sich ein kleines Häuschen bauen konnte. Dieses steht weit entfernt vom Dorf ihrer ehemaligen Schwiegereltern. Von einem einfachen Lehmverschlag mit Palmenblätterdach, konnte sie nun mit ihren Kindern in ihr Eigenheim ziehen.

Ebenfalls eine Erfolg Geschichte ist jene von Manjula (auch dieser Name wurde verändert). Sie konnte mit finanzieller Hilfe vom Projekt ihren bestehenden Kiosk umsiedeln. Nun steht dieser an der Durchfahrtsstrasse zur Stadt und nahe zu ihrem Haus. So kann sie einfacher zu ihren Kindern schauen und gleichzeitig ihren Kiosk betreiben.

Witwenhaus, vorher und nachher (Abbildung)

 

Beitrag zur aktuellen Lage in Indien betreffend Bekämpfung von Schwarzgeld
Im Bund vom 15. November war zu lesen, dass Indien die grössten Banknoten abschafft um die Schattenwirtschaft zu bekämpfen. Die Ausführung dieser Massnahme wurde wortwörtlich in einer Nacht und Nebel Aktion gestartet. Damit die Akteure dieses Schwarzgeldsystems, keine Chance hatten im Vorfeld zu reagieren, trat die Neuerung überraschend ein. Die Bevölkerung wurde via Medien informiert dass ab sofort gewisse Noten keine Gültigkeit mehr haben. Ich war selber vor Ort und habe miterlebt, welche Konsequenzen diese Massnahme für die einfache Bevölkerung hat. In Indien werden die meisten Geldgeschäfte cash abgewickelt. Über Nacht wurde daher ein grosser Teil des Geldbesitzes wertlos. Bis Ende Dezember besteht die Möglichkeit jene Noten auf der Bank zu tauschen. Nebst der täglichen Rationierung des zu wechselnden Geldbetrages, wird die Verrichtung der täglichen Kommissionen zur Hürde. Es fehlen genügend neue Banknoten. Der Ansturm auf die Banken ist riesig. Tagelang muss man in der Schlange stehen.

Auf meine Anfrage hat mir Schwester Jacy gemailt, dass die Frauen welche sie betreut, die Geldscheine zu wechseln versuchen. Da die täglichen Rationen verschwindend klein sind und gültiges Wechselgeld fehlt, können sie nur mit Mühe ihre täglichen Nahrungsmittel kaufen und weiterhin ihren Geschäften nachgehen. Sie befürwortet diese Massnahme im generellen, doch sie stellt auch klar fest, dass durch fehlende Planung und Logistik, die einfache Bevölkerung ohne Zugang zu Konto, leidet.

Junge Frau, Herbst 2016

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